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Pressespiegel

Erschienen im Stadtblatt und auf www.meinbezirk.at im März 2021:

Covid-19

Soziale Einsamkeit in der Pandemie

INNSBRUCK. Soziale Isolation, Angst vor der Zukunft und Sorgen um die eigene Gesundheit – das psychische Wohlbefinden kann bei so manch einer Person aus dem Gleichgewicht kommen.
Die psychischen Folgen der Corona-Pandemie können alle Menschen treffen, aber vor allem jene, die zur Risikogruppe gehören. Dazu zählen ältere Menschen ab 65 Jahren und Menschen mit gesundheitlichen Vorerkrankungen.
Eine besonders außergewöhnliche Situation ist die derzeitige für Bewohner der Wohn- und Pflegeheime, da diese auf sehr viel verzichten müssen. Eingeschränkte persönliche Kontakte mit Angehörigen und Freunden, keine psychosozialen Therapien und begrenzte Gruppenaktivitäten prägen den Alltag.

Bianca Plangger führte im Rahmen ihrer Doktorarbeit eine Studie diesbezüglich durch. Sie beschäftigte sich mit den psychologischen Auswirkungen von Isolation auf Heimbewohner. Unterstützt wurde sie dabei von der Gesundheitsschmiede Tirol. Rund 49 Heimbewohner nahmen an dieser Studie teil, wobei die Lebenszufriedenheit, Ängstlichkeit, Depression und das Demezscreening untersucht wurden. Die Ergebnisse sind klar: In der Isolationsphase stieg die Ängstlichkeit der Bewohner, die Lebenszufriedenheit sank und es wurden deutliche Auswirkungen auf kognitiver und emotionaler Ebene verzeichnet. Besonders der kognitive Verfall war deutlich zu sehen, da gesunde Heimbewohner teilweise dement wurden.

Öffnungsschritte positiv für Heimbewohner

Neben den teilweise erschreckenden Auswirkungen der Isolationsphase, sind auch positive Aspekte zu vermerken. Bereits kurze Zeit nach der Aufhebung der Isolation nahm die Ängstlichkeit der Heimbewohner und die Depression wieder ab und die Lebenszufriedenheit stieg an.
Aus diesen Untersuchungen kann abgeleitet werden, dass bei einem erneuten Lockdown besonders das psychische Wohlbefinden der Heimbewohner im Auge behalten werden sollte. Um die psychische Belastung zu mindern, bzw. erst gar nicht entstehen zu lassen, könnte man psychosoziale Unterstützung anbieten, auf Aktivitäten im Freien hinweisen und den Kontakt mit der Familie fördern.

Die Gesundheitsschmiede Tirol ist die größte Einrichtung in Tirol, die sich seit über 15 Jahren um die psychische Gesundheit älterer Menschen in den Wohn- und Pflegeheimen kümmert. Dieser Einrichtung ist es dabei ein großes Anliegen Themen der psychischen Gesundheit älterer Menschen stärker in den Fokus zu rücken

 

Erschienen in der Tiroler Tageszeitung am 2.5.2019:

Gesundheitsschmiede Tirol - „Vertrauenspersonen im Alltag“

„Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.“ Antoine de Saint-Exupéry („Der kleine Prinz“)

Wir sind eine Arbeitsgemeinschaft von PsychologInnen und haben uns zum Ziel gesetzt, engagiert für die Entwicklung, Förderung und Durchführung psychologischer und sozialer Projekte in der Begleitung älterer Menschen einzutreten. Mittlerweile ist es uns gelungen, ein breites Therapie- und Beratungsangebot zu entwickeln, das sich zunehmender Nachfrage erfreut.

Aufgrund des wachsenden Anteils älterer Menschen in der Bevölkerung und einer längeren Lebenserwartung werden psychische und soziale Probleme im Alter immer mehr zum Thema. Die Förderung der psychosozialen Gesundheit im Alter, im Heim und zu Hause, bildet den Schwerpunkt unserer Arbeit in der Gesundheitsschmiede Tirol. Über die unmittelbare Betreuung älterer Menschen hinaus, bieten wir professionelle Beratung, Begleitung und Schulung für pflegende Angehörige und Pflegepersonal an. Hierbei steht die Vermittlung von Kompetenzen im Vordergrund, die zur Reduktion von Belastungserlebnissen beitragen.

In unserer psychosozialen Therapie ist es uns ein besonderes Anliegen, emotionales und soziales Leid im Alter zu lindern. Für viele Menschen ist ihr Zuhause ein Ort des Haltes und der inneren Sicherheit. Wenn aber die geschützten Familienverhältnisse fehlen, kommt es häufig zu Vereinsamung, oft auch zu psychischen Problemen wie Depressionen, Ängsten oder einfach nur organisatorischen Problemen in der Alltagsbewältigung. Wir versuchen daher, den Betroffenen Halt und Sicherheit zu geben, indem wir ihnen als Vertrauenspersonen zur Seite stehen. In Gesprächen und bei gemeinsamen Aktivitäten sollen Verluste im Alter besser akzeptiert, Ressourcen erhalten, das emotionale und soziale Wohlbefinden gefördert oder eine Hilfe in der Organisation des Alltags zur Seite gestellt werden.

Schon seit über 13 Jahren kümmern wir uns nun um Menschen im Alter, sodass wir mittlerweile über 120 Menschen wöchentlich, oft auch mehrmals wöchentlich, begleiten.

 

Erschienen in Osttiroler Heimzeitung 2019:

Von Mag.a Evelyn Strobl

Irma ist seit 3 Jahren im Wohnheim und leidet an Parkinson. Nach einigen Monaten im neuen Umfeld zieht sich Irma immer mehr zurück, wirkt traurig und weint sehr viel. Der Verein Gesundheitsschmiede wird zur psychologischen Betreuung herangezogen. Irma erzählt aus ihrem Leben. Sie liebt Tiere und spricht von ihrem Kater, den sie zurücklassen musste, als sie ins Wohnheim einzog. In ihrer Welt existiert "Burli" noch und sie berichtet mit leuchtenden Augen, dass sie ihre Katze heute schon am Fenster gesehen hat. Ich tauche in ihre Welt ein. Nachdenklich erzählt sie von ihrer Kindheit und dem frühen Verlust ihrer Mutter, den Entbehrungen und von ihrem arbeitsreichen Leben. Besuche seitens ihrer Familie oder Freunde sind äußerst rar. Im Laufe der psychosozialen Therapie verbessert sich ihr Gemütszustand, sie kann wieder lachen, sie spürt die Wertschätzung und genießt die wöchentlichen Gespräche, Spaziergänge oder Kaffeehausbesuche... die psychosoziale Betreuung. Und am meisten freut sie sich, wenn mein Hund mich begleitet, dann erstrahlt die Welt im neuen Licht. Der Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung wächst kontinuierlich und stellt unsere Gesellschaft vor die Herausforderung, wie die Pflege der älteren Generation mit allen physischen, psychischen und sozialen Bedürfnissen sinnvoll bewältigt werden kann. Der Verein Gesundheitsschmiede Tirol - Verein für psychosoziale Gesundheit im Alter - wurde im Jänner 2006 in Innsbruck gegründet und engagiert sich seitdem erfolgreich für die Entwicklung, Förderung und Durchführung sozialer Projekte in Nordtirol. Im Mai 2018 wurde dieses Projekt dank des Engagements der Osttiroler Wohn- und Pflegeheime im Bezirk Lienz eingeführt, um eine psychosoziale Betreuung für HeimbewohnerInnen zu ermöglichen. Frau Mag. Evelyn Strobl, Klinische und Gesundheitspsychologin, sorgt sich um die psychische Gesundheit und das soziale Wohlbefinden einzelner HeimbewohnerInnen. Der Aufgabenbereich umfasst ein breitflächiges Therapieangebot, das von Betroffenen und Angehörigen sehr gut aufgenommen wird. Das auf individuelle Bedürfnisse abgestimmte psychosoziale Behandlungsangebot wird in Absprache mit den KlientInnen und ihrem Umfeld (ÄrztInnen, Pflege und Angehörige) erstellt und umfasst unterschiedliche Elemente wie psychologische Diagnostik, psychologische Beratung, therapeutische Gespräche wie auch alltägliche Unterstützung mit dem Ziel, die kognitiven, sozialen und motorischen Ressourcen zu fördern bzw. psychisches Leid zu mindern. Über die konkrete psychosoziale Betreuung von alten Menschen hinaus gilt das Bemühen des Vereins aber auch der professionellen Begleitung und Schulung von pflegenden Angehörigen sowie des Pflegepersonals. Hierbei steht die Vermittlung von Kompetenzen vor allem im Umgang mit herausfordernden Betreuungssituationen im Vordergrund. Wir informieren sie gerne über das Angebot der individuellen psychosozialen Betreuung in den Wohn- und Pflegeheimen, wie auch zu hause.

 

Erschienen im Stadtblatt Innsbruck am 24./25.2.2016:

Wenn auch die Psyche altert.

Der Verein "Gesundheitsschmiede Tirol" betreut ältere Menschen, die mit psychischen Problemen kämpfen.

Innsbruck (acz). - "Hohes psychisches Leid" nennt Michael Mattersberger (Obmann Gesundheitsschmiede Tirol) als Grund für den Start seines Vereines. Vor zehn Jahren hatte er die Erfahrung bei seinem Praktikum als klinischer und Gesundheitspsychologe gemacht, dass die Bewohner der Wohnheime keine erschwingliche psychologische Betreuung hatten, obwohl sie oft unter Altersdepression oder anderen Krankheiten litten. Einst besuchte Mattersberger als einziger Psychologe die Wohnheime, um vor Ort den Menschen zuzuhören. Heute sind es um die 17 Mitarbeiter, die zirka 80 Senioren ein bis dreimal die Woche professionell betreuen. Warum man im Verein nur ältere Personen begleitet? "Als wir angefangen haben, gab es keine richtige psychologische Betreuung in den Wohnheimen, das hat mich erstaunt, ich wollte daran etwas ändern", so Mattersberger.

Traurigkeit ist normal. "Oft ist die Höhe des Alters und der Abbau des Körpers die Ursache für psychische Probleme. Viele SeniorInnen vereinsamen mit der Zeit, weil die geschützten Familienverhältnisse fehlen. Oft ist auch Traurigkeit ein großes Thema. Traurigkeit ist nichts Abnormales - das Problem fängt jedoch dort an, wo man es mit niemandem besprechen kann", führt Mattersberger die Ursachen vor Augen. Es werden Klienten ab dem Alter von sechzig betreut. Die meisten sind jedoch weit über siebzig Jahre alt. "Es ist oft viel Belastung und Traurigkeit da, aber auch viel Hoffnung. Es ist erstaunlich, wie durch ein Gespräch aus Bedrücktheit wieder Leben und Lust entstehen", erklärt Mattersberger die Schönheit dieser Beschäftigung. Zum heurigen 10-Jahres-Jubiläum gestaltet die Gesundheitsschmiede - voraussichtlich im Herbst - ihre 1. Tagung unter dem Motto "Menschenbild. Wie Körper und Geist mit der Psyche verbunden sind."

Zur Sache. Ungefördert beträgt der Stundensatz 35 Euro, gefördert (durch die Innsbrucker Sozialen Dienste) 9-10 Euro. "Das ist ein sehr erschwinglicher Preis für eine professionelle psychologische Betreuung", so Mattersberger.

 

 

Erschienen in der Tiroler Tageszeitung am 30.1.2016:

Verein für psychosoziale Gesundheit im Alter: Die Gesundheitsschmiede Tirol engagiert sich seit 10 Jahren für das Wohl älterer Menschen.

Innsbruck. - Eine Arbeitsgemeinschaft von PsychologInnen engagiert sich seit genau 10 Jahren für die psychosoziale Gesundheit älterer Menschen in Innsbruck Stadt und Land und hat ein breitflächiges, mittlerweile stark in Anspruch genommenes Therapieangebot für Menschen sowohl in Wohnheimen als auch zu Hause entwickelt. Die psychosoziale Therapie der Gesundheitsschmiede Tirol, die einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt und in einen multiprofessionellen Kontext eingebettet ist, wird vor allem bei psychischen Erkrankungen und Auffälligkeiten im Alter wie Depression, Angst, Demenz usw. angefragt und zielt darauf ab, das emotionale Leid älterer Menschen zu lindern. Zur Rehabilitation und zur aktivierenden Tagesgestaltung werden auch Gruppenangebote zur Verfügung gestellt. Angehörige und Pflegepersonal werden in Beratungen und erlebnis- und praxisnahen Seminaren unterstützt.

Wenn ein Mensch alt wird und/oder krank, wenn sein Körper und seine Psyche sukzessive ihre Funktionsfähigkeiten einbüßen, erreicht er (wieder) einen Höhepunkt seiner Verletzlichkeit und seiner Bedürftigkeit. Auch und gerade dann im Menschen den Menschen zu sehen, seinen Wert, sein unzerstörbares Wesen, ist den MitarbeiterInnen der Gesundheitsschmiede Tirol ein Herzensanliegen. Die Beziehung, die gelebte Verbindung zu einem Menschen bildet für die PsychologInnen die Grundlage ihrer Arbeit an der emotionalen, mentalen und körperlichen Gesundheit älterer Menschen.

 

 

Erschienen in der Tiroler Tageszeitung am 27.12.2014:

Verein für psychosoziale Gesundheit im Alter: Die Gesundheitsschmiede Tirol engagiert sich für die Entwicklung und Förderung sozialer Projekte in der Altenbetreuung.

Innsbruck. - Eine Arbeitsgemeinschaft von PsychologInnen engagiert sich seit Jahren für die psychosoziale Gesundheit älterer Menschen in Innsbruck Stadt und Land und hat ein breitflächiges Therapieangebot für Menschen sowohl in Wohnheimen als auch zu Hause entwickelt, das von Betroffenen, Angehörigen und Institutionen sehr gut angenommen wird. Die psychosoziale Therapie der Gesundheitsschmiede Tirol, die einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt und in einen multiprofessionellen Kontext eingebettet ist, wird vor allem bei psychischen Erkrankungen und Auffälligkeiten im Alter wie Depression, Angst, Demenz usw. angefragt. Zur Rehabilitation und zur aktivierenden Tagesgestaltung werden auch Gruppenangebote zur Verfügung gestellt.

Die Angehörigenberatung des Vereins für psychosoziale Gesundheit im Alter wirkt der emotionalen Belastung der Angehörigen entgegen und fördert ein konstruktives Miteinander von Betroffenen, Angehörigen und professionellem Pflegepersonal. In jüngerer Zeit hat die Gesundheitsschmiede Tirol auch ihr Weiterbildungsangebot erweitert und vertieft. Auf erlebnis- und praxisnahe Weise vermitteln Seminare für Pflegepersonal Kenntnisse über die psychosozialen Grundbedürfnisse des Menschen und dienen der Psychohygiene (Burnout-Prophylaxe) der TeilnehmerInnen, deren Rückmeldungen erfreulich positiv sind.

 

 

Erschienen in Innsbruck informiert im Juli 2014:

Vereinsporträt: Gesundheitsschmiede Tirol: Verein für psychosoziale Gesundheit im Alter

Wir sind eine Arbeitsgemeinschaft von PsychologInnen und haben uns zum Ziel gesetzt, engagiert für die Entwicklung, Förderung und Durchführung sozialer Projekte in der Betreuung älterer Menschen einzutreten. Mittlerweile ist es uns gelungen, eine „psychosoziale Therapie“ für Menschen im Alter zu entwickeln, die wir in Innsbruck Stadt und Land anbieten und die sich zunehmender Nachfrage erfreut.

Aufgrund des wachsenden Anteils älterer Menschen in der Bevölkerung und einer längeren Lebensgestaltung werden psychische und soziale Probleme im Alter immer mehr zum Thema. Die Förderung der psychosozialen Gesundheit im Alter, im Heim und zu Hause, bildet den Schwerpunkt unserer Arbeit in der Gesundheitsschmiede Tirol. Uns geht es um das Wohl älterer Menschen.

Über die unmittelbare Betreuung älterer Menschen hinaus bieten wir professionelle Beratung, Begleitung und Schulung für pflegende Angehörige und Pflegepersonal an. Hierbei steht die Vermittlung von Kompetenzen im Vordergrund, die zur Reduktion von Belastungserlebnissen beitragen und auch Voraussetzung für die psychische Gesundheit Pflegender sind.

 

 

Aus dem Schreiben einer Angehörigen:

"Liebes Gesundheitsschmiede-Team! Heute ist der erste Jahrestag von Mama! Ich habe oft an Euch und Eure Arbeit gedacht und hoffe, dass es Euch gut geht! Ich wünsche Euch einen guten Rutsch und für das Neue Jahr weiterhin so viel Kraft für Eure wertvolle Arbeit."

 

Aus den Neujahrsgrüßen eines Angehörigen:

"Ich wünsche Ihnen ein glückliches, gesundes neues Jahr, voller Wärme, Inspiration und Zuversicht! Ich danke Ihnen sehr für Ihr besonderes Entgegenkommen, Ihre Wahrnehmung und hohe Empathie, mit welcher Sie meine Mama in dieser doch schweren Zeit begleiten! Vielen Dank!"

 

Aus der Todesanzeige einer Klientin:

"Ein herzliches Dankeschön... Barbara und Annika von der Gesundheitsschmiede für die einfühlsamen Gespräche"

 

Aus dem Email eines Angehörigen nach dem Tod seiner Mutter:

"Ich möchte mich bei Herrn Mag. Mattersberger und beim gesamten Team des Psychosozialen Dienstes für die jahrelangen aufopfernden Dienste an meiner Mutter sehr herzlich bedanken. Ohne der psychischen Unterstützung wäre meine Mutter in noch tieferes seelisches Leid versunken. Eure Mitarbeiter haben den langen Leidensweg meiner Mutter erträglicher gemacht. Und mir damit viele Sorgen von den Schultern genommen."

 

Schilderung einer Angehörigen: DER NEUE CHEF oder OMA, ERZÄHL MAL... von Alexandra Gruber-Fritz:

Mit einer Schwere im Herzen denke ich an einen im Grunde wunderschönen, sonnigen Frühlingstag im April 2013, der für meine Schwiegermutter und mich grau verhangen war: Der Eintritt ins Pflegeheim stand an... eine Übersiedlung, eine neuerliche, eine letzte Übersiedlung. Meine Schwiegermutter steht mir so nahe, doch in letzter Zeit ist sie mir so fremd geworden... Ich komme mit ihrer Wesensveränderung nur schwer zurecht, obwohl ich weiß, dass diese mit einer beginnenden Demenz zusammenhängt.

Meine Schwiegermutter zu Hause zu betreuen war meine tägliche Herausforderung, vielfach eine Überforderung, wie mir erst im Nachhinein klar geworden ist. Mit einem Kleinkind und einem noch bedürftigeren Stillkind habe ich ganze Vormittage bei ihr verbracht, um mit ihr den weiteren Tag vorzubereiten und zu strukturieren, eigentlich ihn ihr vorzugeben.
Meine Schwiegermutter, eine zeitlebens selbstbestimmte, selbständige Frau, alleinerziehend in den 70er Jahren, Alleinverdienerin, in vielem ihrer Zeit voraus…. Wie soll ich einer solchen Frau Vorgaben machen? Zumal es mir generell nicht entspricht, über jemanden zu bestimmen.

Und immer häufiger sind wir beide gescheitert, haben wir beide gemerkt, dass es uns zu viel wird.

Gemeinsam haben wir uns für eine Übersiedlung ins Pflegeheim entschieden.

Der Aufnahmetag: So viele neue Menschen – unbekannte Menschen, die von nun an die Pflege und die Betreuung übernehmen, neue Mitbewohner und Mitbewohnerinnen, teilweise sehr geplagt von der Bürde des hohen Alters.

Und ich denke und fühle schmerzhaft: besser wird es nicht mehr.

Ich frage mich, wie wir diese Situation, diesen Übergang bewältigen können und spüre deutlich, dass wir Begleitung dafür brauchen.
Im Heim empfiehlt mir jemand den Verein Gesundheitsschmiede Tirol. Ich kontaktiere den Leiter der Gesundheitsschmiede, Mag. Michael Mattersberger. Und… ich würde es wieder tun…

Jeden Donnerstag kommt nun der von meiner Schwiegermutter so genannte neue Chef auf Besuch zu ihr. Die beiden reden und erzählen sich... was genau, weiß ich nicht, ist ja Chefsache.
Ich besorgte das Album „Oma erzähl mal“ und bitte Mag. Michael Mattersberger, das Büchlein im Rahmen seiner Besuche auszufüllen, als Erinnerung für meine Kinder, was er gerne übernimmt.

Das Buch ist Anfang des Jahres 2016 fertig ausgefüllt…

Und der Chef kommt immer noch, immer noch donnerstags.

Anfang Jänner höre ich einen Bericht auf Ö1 in der Sendung „Moment – Leben heute“ über die Wichtigkeit und Therapieerfolge einer psychologischen Betreuung im fortgeschrittenen Alter…
Ich freue mich, dass wir uns dafür entschieden haben.
Ich sehe, wie meiner Schwiegermutter die Zeit mit dem neuen Chef gut tut - und mir tut es gut, sie so zu erleben.
Ich bin sehr froh, dass ich mit Mag. Mattersberger jemanden gefunden habe, der nicht nur die Übersiedlung ins Pflegeheim, sondern auch die weiterhin auf uns zukommenden Herausforderungen durch die Demenzerkrankung meiner Schwiegermutter gut begleitet und mitträgt.

 

Wege aus der inneren Leere heraus, erzählt von Lisa Zobler und Bettina Fraisl (Beispiel einer psychosozialen Betreuung)

Als ich Herrn Müller[1] zum ersten Mal begegne, sitzt er in der Wohnküche und blickt starr vor sich hin. Meine Begrüßung erwidert er kurz und knapp, überhaupt scheint er keinerlei Interesse an seiner Umgebung zu haben. Ich setze mich zu ihm, frage nach seinem Befinden und versuche ein Gespräch in Gang zu bringen, doch die Antworten des 55jährigen bleiben einsilbig uninteressiert. Alles sei in Ordnung, meint er, halt langweilig sei ihm. Warum er sich in einem Wohnheim befindet, wie lange er bereits hier ist oder wie er in diese Stadt gelangt ist, weiß er nicht. Meine Einladung, mit ihm draußen spazieren zu gehen, nimmt er nach mehreren Anläufen an. Als er aufsteht, sehe ich, dass er fast 2m groß sein muss. Beim Gehen wankt er stark, als falle es ihm schwer, das Gleichgewicht zu halten.

Vom Therapieplan von Herrn Müller weiß ich, dass er vor 5 Jahren stark alkoholisiert von einer Brücke stürzte und sich dabei ernsthafte Kopfverletzungen zuzog. Nach einem längeren Klinik- und Rehabilitationsaufenthalt kam er wegen akuter Verwirrung und Selbstgefährdung auf die Psychiatrie und wurde schließlich in einem Wohnheim dauerhaft untergebracht

 

Das Pflegepersonal vom Wohnheim trat an die Gesundheitsschmiede Tirol – Verein für psychosoziale Gesundheit im Alter heran mit der Bitte, Herrn Müller im Rahmen unseres psychosozialen Therapieangebots zu betreuen, da es praktisch unmöglich war, ihn ins Heimleben zu integrieren, er sich über seine Situation nicht im Klaren war, sein Leben nicht nur als langweilig, sondern auch als trostlos empfand und Tätigkeiten wie Haare waschen endlos nacheinander wiederholte.

Mittlerweile wird Herr Müller seit gut zwei Jahren von uns betreut. Hauptziel der psychosozialen Therapie von Herrn Müller ist es, seiner inneren Leere durch Integration und Anpassung an seine derzeitige Lebenssituation zu begegnen.

Die innere Leere ist innerhalb der vierten existenzanalytischen Grundmotivation als Kerngefühl verortet.[2] Hier geht es zentral darum, Sinnerfüllung im Leben dadurch zu finden, dass man sich auf das Leben und die Menschen einlässt, handelnd tätig wird, in Verbindung tritt. Aufgrund seiner spezifischen Geschichte, insbesondere des Sturzes und seiner Folgen, gelingt es Herrn Müller nicht, diese personalen Aktivitäten zu entfalten. Stattdessen verharrt er in den so genannten Coping-Reaktionen des Stillhaltens, der Passivität, des Ohnmächtig-Lebens und des Sich-nicht-Einlassens. Würde Herr Müller es schaffen, das Gefühl der Leere auszuhalten und seine Situation besser zu verstehen, könnte es gelingen, dass er sich wieder mehr auf das Leben und die Menschen einlässt. Unser Ziel ist es, ihn dabei zu unterstützen.

Einmal pro Woche besucht eine Psychologin Herrn Müller für eine Einheit von 50 Minuten, um ihn zu aktivieren, zu orientieren, in therapeutischen Gesprächen seine Beeinträchtigungen und Verluste mit ihm aufzuarbeiten und sein Umfeld mit ihm zu gestalten. Im Verlauf der Therapie verschwanden die sich wiederholenden Handlungen zur Gänze, doch die Antriebslosigkeit und sein Nichtreagieren auf seine Umgebung änderten sich zunächst nicht, bis auffiel, dass Herr Müller sich stets gegen Ende einer Betreuungseinheit etwas mehr zu öffnen begann. Als nunmehr betreuende Psychologin fing ich an, die Besuchseinheiten auf zwei, d.h. auf 100 Minuten, auszuweiten, und erlebte eine eindrucksvolle Veränderung.

Herr Müller beginnt nun nach einer jeweils längeren „Aufwärmphase“ nicht nur mehr zu reden, sondern tatsächlich von sich aus zu erzählen und sogar Fragen zu stellen. Zunehmend werden seine Erzählungen auch von einem dazu passenden emotionalen Ausdruck begleitet – von Lachen oder Traurigkeit etwa. Ihm fehle die Freiheit, sagte er einmal traurig, die Freiheit nach Hause zu gehen oder überhaupt sich frei zu bewegen.[3] War es vorher manchmal eine Herausforderung, die 50 Minuten sinnvoll zu füllen, gestalten sich die 100 Minuten mit Herrn Müller nun als belebt und dialogisch. Faszinierend ist, wie selbst seine Erinnerungslücken neuerdings kleiner werden: Herr Müller kann sich zunehmend daran erinnern, wie er vor dem Heimeinzug in der Stadt gelebt hat, wie es war, obdachlos zu sein, wo er überall genächtigt hat, wie er sich ernährt hat und mit wem er sozialen Kontakt pflegte. Dies führt auch dazu, dass er die Annehmlichkeiten im Heim nun besonders zu schätzen weiß – dass er beispielsweise regelmäßige Mahlzeiten erhält, einen Fernseher und ein eigenes Bad mit Dusche hat, empfindet er fast als Luxus und bezeichnet es als Leben wie im Hotel.

Es ist schön zu sehen, wie Herrn Müllers Coping-Reaktionen mehr und mehr in den Hintergrund treten und seine personalen Aktivitäten des Sich-Einlassens, des Tätig-Werdens und der Verbundenheit wieder zum Leben erwachen. Auch wenn an eine vollständige Heilung nicht zu denken ist, hat sein Leben für ihn deutlich an Sinn gewonnen, ist lebenswerter geworden. Ich freue mich, Herrn Müller weiter auf diesem Weg begleiten zu können.

[2] Die von der Gesundheitsschmiede Tirol angewandte psychosoziale Therapie ist existenzanalytisch fundiert.

[3] Aufgrund seiner Orientierungslosigkeit kann ihm das nicht erlaubt werden.

 

[1] Der Name wurde geändert. Das Bild auf dieser Seite steht in keinerlei Zusammenhang mit diesem Text.